Pankreas-Elastase-Werte verstehen
Wenn Du einen Stuhltest auf Pankreas-Elastase gemacht hast, fragst Du Dich wahrscheinlich: Was bedeuten die Werte eigentlich? Ist ein niedriger Wert automatisch gefährlich? Und wie sicher ist die Aussagekraft des Tests?
In diesem Artikel erklären wir Dir fachlich fundiert und gleichzeitig verständlich, wie Pankreas-Elastase-Werte einzuordnen sind, wann sie auffällig sein können – und was sie nicht bedeuten.

Was misst der Pankreas-Elastase-Test?
Die Pankreas-Elastase (auch Elastase-1 genannt) ist ein Verdauungsenzym, das ausschließlich in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet wird. Sie hilft dabei, Eiweiße aus der Nahrung aufzuspalten, und ist ein Indikator für die Funktion der sogenannten exokrinen Pankreasfunktion – also der Fähigkeit des Organs, Enzyme zur Verdauung bereitzustellen.
Im Unterschied zu anderen Enzymen bleibt die Elastase beim Weg durch den Magen-Darm-Trakt chemisch stabil. Daher kann sie zuverlässig im Stuhl gemessen werden – ein großer Vorteil für die Diagnostik.
Der Test ist nicht-invasiv, schmerzfrei und weit verbreitet. Er wird vor allem eingesetzt, um einen Hinweis auf eine mögliche exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI) zu geben.
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Welche Werte sind normal – und was gilt als auffällig?
Die Elastase im Stuhl wird in Mikrogramm pro Gramm Stuhl (µg/g) gemessen. Die Einordnung erfolgt in drei Kategorien:
| Wert (µg/g Stuhl) | Einordnung |
|---|---|
| > 200 | Normaler Bereich |
| 100–200 | Leichter bis moderater Mangel möglich |
| < 100 | Hinweis auf deutlichen Enzymmangel |
Diese Grenzwerte basieren auf internationalen Studien und der Bewertung durch Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) sowie den Empfehlungen der European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE).
📌 Wichtig: Auch bei Werten unter 200 µg/g liegt nicht automatisch eine Erkrankung vor. Es handelt sich um Hinweiswerte, die im Kontext der Beschwerden und Vorerkrankungen betrachtet werden müssen.
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Was kann einen Elastase-Wert beeinflussen?
Obwohl die Pankreas-Elastase sehr stabil ist, können einige Faktoren das Testergebnis beeinflussen:
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Stuhlkonsistenz: Sehr dünner, wässriger Stuhl kann den Wert fälschlich verdünnen. Darum empfiehlt es sich, möglichst eine normal geformte Probe zu verwenden.
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Antibiotika oder Durchfall kurz vor der Probenentnahme können den Darmflora und den Testwert beeinflussen.
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Lagerung & Transport: Zwar ist Elastase relativ stabil (bis zu 3 Tage bei Raumtemperatur), doch extreme Temperaturen oder lange Versandzeiten sollten vermieden werden.
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Was bedeutet ein niedriger Wert konkret?
Ein Wert unter 200 µg/g bedeutet, dass die Enzymaktivität der Bauchspeicheldrüse möglicherweise eingeschränkt ist. Das kann – muss aber nicht – auf eine exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI) hinweisen.
Mögliche Ursachen:
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chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
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Zöliakie oder andere Darmerkrankungen
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langjähriger Alkoholmissbrauch
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Diabetes mellitus (Typ 1 & 2)
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nach Magen-Operationen
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altersbedingte Funktionseinschränkung
💡Viele dieser Ursachen führen zu einem schleichenden Enzymmangel, der über Monate oder Jahre zunimmt. Der Elastase-Wert kann dabei ein erster Hinweisgeber sein, ersetzt aber keine weiterführende Diagnostik.
Was sagt ein normaler Wert aus?
Ein Wert über 200 µg/g wird als normal gewertet. Das bedeutet:
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Die Bauchspeicheldrüse produziert vermutlich ausreichend Verdauungsenzyme.
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Eine exokrine Insuffizienz ist unwahrscheinlich.
💡 Aber: Auch bei normalem Wert können andere Ursachen für Verdauungsbeschwerden vorliegen – z. B. Reizdarm, Nahrungsmittelintoleranzen oder Störungen der Gallenblase. Der Test ist also kein Ausschlusstest für alle Verdauungsprobleme.
Wie zuverlässig ist der Elastase-Test?
Die Messung der Pankreas-Elastase gilt als gut etabliert und wird in vielen Leitlinien empfohlen. Die Sensitivität (Trefferquote bei tatsächlich Erkrankten) liegt bei über 90 % bei schwerer EPI, ist aber bei leichten Formen eingeschränkt. Die Spezifität (richtig-negative Ergebnisse) liegt in Studien bei über 85 %.
Vorteile:
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Einfache Handhabung
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Keine Blutabnahme
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Objektive Messung
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Gut für Verlaufskontrollen geeignet
Grenzen:
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Kein Ersatz für ärztliche Diagnostik
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Weniger aussagekräftig bei leichtem Enzymmangel
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Störanfällig bei breiigem Stuhl oder Probenfehlern
Fazit: Was Du aus dem Ergebnis mitnehmen kannst
Der Pankreas-Elastase-Wert ist ein wertvoller Marker, um die Verdauungsleistung der Bauchspeicheldrüse einzuschätzen. Er ersetzt keine Diagnose, kann aber ein entscheidender Hinweis sein – vor allem, wenn Beschwerden schon länger bestehen.
➡ Bei Werten unter 200 µg/g ist eine ärztliche Rücksprache sinnvoll.
➡ Bei Werten über 200 µg/g ist die exokrine Funktion wahrscheinlich erhalten – andere Ursachen sollten ggf. abgeklärt werden.
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